Der Campus als klimafreundliche Energie- und Mobilitätsdrehscheibe
Die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg treibt den Umbau ihres Campus zu einer klimafreundlichen Energie- und Mobilitätsdrehscheibe weiter voran. Am Campus Zschokkestraße entstehen Photovoltaik-Carports für ca. 400 PKW-Stellplätze mit rund 100 Ladeplätzen für Elektrofahrzeuge. Das Projekt verbindet Solarstromerzeugung, E-Mobilität und Eigenversorgung und ist Teil eines umfassenden Infrastrukturumbaus an der größten Wissenschafts- und Ausbildungseinrichtung der Region.
Für den Standort ist eine Carportanlage mit rund 1000 Kilowatt peak vorgesehen, sagte Universitätskanzlerin Angela Matthies. Damit steige die Photovoltaikleistung der Universität auf insgesamt rund 2500 Kilowatt peak. „Das entspricht in der Spitzenleistung etwa 600 bis 800 typischen Photovoltaikanlagen auf Einfamilienhäusern“, so Matthies.
Die Carports sollen vorhandene Stellplätze überdachen und damit bereits versiegelte Flächen doppelt nutzen: zum Parken und zur Stromerzeugung. Vor allem in Sommermonaten und in den Mittagsstunden seien Stromüberschüsse zu erwarten, die über den Bedarf der Gebäude hinausgingen, erklärt Angela Matthies.
Nach Angaben der Kanzlerin zahlt das Projekt auch auf die Ziele der europäischen Hochschulallianz EU GREEN ein, in der die Universität Magdeburg mit acht europäischen Partnerhochschulen an nachhaltigen Lösungen für Lehre, Forschung und Transfer arbeitet. Der Ausbau von Eigenstrom und Ladeinfrastruktur stärke den Transfer in die Region und reduziere Emissionen im Pendlerverkehr, so die Universitätskanzlerin.
Mobilitätsformen am Campus besser vernetzen
Die PV-Carports sind Teil eines Mobilitätskonzeptes, das das Beratungsunternehmen Drees & Sommer erstellt hat. Es sieht vor, Verkehrsstrukturen weiterzuentwickeln und Mobilitätsformen am Campus besser zu vernetzen. Geplant sind aufgewertete Fuß- und Radwege sowie sichere, witterungsgeschützte Fahrradabstellanlagen. „Zusätzlich liegt ein Schwerpunkt darauf, alles rund um Mobilität am Campus barrierefrei zu gestalten“, sagte Dr. Karin Menges von Drees & Sommer. Vorgesehen sind zudem erweiterte Sharing-Angebote für Fahrrad, E-Scooter und E-Auto. Parkflächen sollen neu geordnet und stärker an den Campusrand verlagert werden, um im Innenbereich Platz für Aufenthalts- und Grünflächen zu schaffen.
Bereits umgesetzt sind weitere Photovoltaikprojekte auf dem Campus: Auf Dachflächen der Universitätsbibliothek sowie der Gebäude 18, 22, 23, 29 und 30 wurden Anlagen mit zusammen 232 Kilowatt peak installiert. Am Campus Barleben (Center for Method Development) wurden Photovoltaikanlagen mit 1.000 Kilowatt peak sowie weiteren 100 Kilowatt peak errichtet. Zudem wurden zwei von drei Tennisplätzen am Campus Universitätsplatz überdacht und mit Modulen mit 220 Kilowatt peak ausgestattet.
Hintergrund: Energiekonzept und Infrastrukturumbau
Grundlage für den energetischen Umbau des Universitätscampus ist das 2020 verabschiedete Energiekonzept der Universität. Ziel sind deutlich geringere Emissionen, mehr Versorgungssicherheit und eine langfristig klimafreundliche Deckung des wachsenden Energiebedarfs, auch durch die Digitalisierung von Forschung und Lehre. Als zentrale Hebel gelten der Ausbau der Photovoltaik sowie die Kopplung von Energieerzeugung, Gebäuden und Mobilität.
Ein Kernbaustein des Umbauprogramms ist die neue Zentrale Versorgungsanlage (ZVA), die zu Jahresbeginn an das Fernwärmenetz der Städtischen Werke Magdeburg angeschlossen wurde. Die Fernwärme speist sich unter anderem aus Abwärme der Müllverbrennung. Durch die Umstellung spart die Universität nach eigenen Angaben rund 2.100 Tonnen CO₂ pro Jahr ein – das entspreche 91 Prozent weniger Emissionen aus Wärme- und Kälteerzeugung. Zugleich kann sie bis zu 7,2 Megawatt Wärmeleistung für Heizen und Warmwasser beziehen.
Bei der Kälteversorgung setzt die Universität künftig auf ein hybrides System: Absorptionskälte aus Fernwärme soll die Grundlast abdecken, zusätzliche Bedarfe übernehmen Kompressionskältemaschinen und Freikühler, betrieben mit Strom aus eigenen Photovoltaikanlagen.
Der energetische Umbau trifft auf eine gewachsene Campus-Infrastruktur aus mehreren Epochen. Am Campus Universitätsplatz stehen mehr als 30 Gebäude, vom Rektoratsgebäude (1904) über Bauten der 1950er Jahre bis zu Mensa (1977) und Universitätsbibliothek (2003). Teile des Wärmeversorgungsnetzes stammen aus dem Jahr 1954 und sind rund fünf Kilometer lang.